Gedichte von Gül Witt

Insgesamt 14 Gedichte
Afrikanische Magie
Automatisch
Blinde und Stumme
Die Einsamkeit
Die Gefangenen
Die Maskierten
Gewohnheit
Gott gebe mir
Haben wir nicht gemerkt
In Hohen
Sie war anders
Verfolgung
Wenn ich sterbe
Wir sind nicht allein


Afrikanische Magie

Mein Afrika, mit den silbernen Zähnen,
den melancholischen Augen,
dem Lächeln vergessender Kinder.
Tabak, Sträucher,
Baumwollknospen, Kaffeebäume,
Zuckerrohr, haben deine Hände platzen lassen.
Trotzdem,
all das
konnten in deinem Herzen den Hass nicht zerspringen lassen.

Man hat deine Kräfte,
in den Betonkübeln, Atomreaktoren,
in Zisternen geknechtet,
in den Metallfabriken schmelzen lassen,
von einem Land zum anderen geschoben.

Aber die, die das getan haben,
auf ihrer Stirn die Erniedrigungsstempeln,
könnten sich nicht auf der Stelle bewegen.
nach oben!


Automatisch

Die Wege wurden automatisiert,
in kurzer Zeit kann man über die Berge gehen.
Auf der Erde existiert kaum noch Verkehr.
Im All werden virtuelle Straßen gebaut.

Die Verbindungen wurden automatisch
Jedoch in den Leitungen fließt kaum Wasser
die Meere sind verseucht
Wir Träumen nur noch aus der Vergangenheit.

Der Himmel wurde automatisch,
jeden Tag landen auf der Erde.
Tonnenweise amerikanische Meteoriten,
sie nehmen unseren Atem.

Die Öfen wurden abgestellt,
die Töpfe kochen nicht mehr,
wir sehnen uns nach einer warmen Mahlzeit.
Wir haben uns daran gewöhnt, roh zu essen.

Die Milchfabriken sind automatisiert.
Die Kindernahrung ist verseucht.
Die Brüste der Mütter sind vertrocknet,
die Babys schlafen hungrig ein.
nach oben!


Blinde und Stumme

Diese Menschen
in diesem Land,
haben Augen, können aber nichts sehen.
Sie haben Zungen, können aber nicht sprechen.
Sie haben Ohren, können aber nicht hören.
Denn sie haben Angst, ihren Mund aufzumachen
Angst, Adolfs Kinder genannt zu werden.
Deshalb schweigen sie.

Ihre Herzen verwandelten sich zu Stahlhaufen,
ihre Blicke wurden wie Eispole.
In ihrem Leben
ist weder Familiensorge, noch Heimatliebe geblieben.
Keine Kinder und Zukunftsgedanken in sich,
in einer Hand eine Flasche Bier,
in der anderen einen Hundleine
so vertreiben sie ihre Einsamkeit.

Diese Menschen
wurden sie nur erschrocken?
Oder wurden sie schon als Angsthasen geboren?
Ihre Gesichter waren voller Bedeutungen,
im eigenen Land
ängstlich und zurückgezogen,
lassen sie sich mit Alkohol und Drogen betäuben...

nach oben!


Die Einsamkeit

Seit Tagen
habe ich mich in die Wohnung eingesperrt,
ich schaue aus dem Fenster
die Menschen gehen vorbei
mit dem Anblick tröste ich mich.

Als wäre ich einen weiten Weg gegangen
sind meine Knie schwer geworden.
Lasten gehen nicht von meinen Schultern herunter
die verdammte Einsamkeit,
kreist immer mehr im meinem leben.

Die Vergangenheit
wie ein Film dreht sie sich im Raum.
Eine unsichtbare Hand drückt am meinen Hals
ich werde verrückt.

Wenn ich die Bilder mir gegenüber anschaue,
bricht die Stille des Zimmers.
Von ferne klingende Stimmen
bringen mir die Erinnerungen
die ich schon längst vergessen hatte.
nach oben!


Die Gefangenen

Steht auf, kommt zu mir,
ich habe euch Mondschein, Sterne,
Sonne, Wolken, Wind,
Regen und Schnee gebracht.
Nehmt es,
und mischt es mit euerm Leben zusammen.

Habe für euch, Tisch, Stuhl,
Buch, Stift, Tinte, Briefumschlag, Papier,
Briefmarke und Gedichte gebracht.
Nehmt es und schreibt zu eueren Lieben.

Für euch habe ich,
Sehnsucht von eueren Geliebten,
Mutter, Vater, Geschwister
und von Freunden gebracht
Nehmt es und drückt es an eure Herzen.

Auch habe ich euch,
Jasmin, Flieder, Nelken,
Rosen und Vergissmeinnicht gebracht.
Nehmt es und atmet es ein,
bis euer Kopf sich dreht.

Ich habe euch,
Gitarren, Geigen, Orgel,
Flöte, Saxofon, Akkordeon,
Saz, Pauke und Lieder gebracht.
Nehmt es euch an,
spielt und tanzt bis ihr besinnungslos werdet.

Habe für euch,
Peitsche, Messer, Dolch, Gewehr,
Pistole, Kugel, Schlagring und
Handschellen gebracht.
Nehmt es und vernichtet sie,
nur schlagt niemals die Unschuldigen.

nach oben!


Die Maskierten

Mit maskierten Gesichtern,
und bis zu Fußknöcheln in weiße Hemden,
kamen sie, und an den Sonnenhaaren hängende Flammen
und warfen sie über unsere Häuser.

Wer waren diese Leute?
Woher kamen wohin gingen sie?
das wusste keiner.
Weder zeigten sie ihre Gesichter
noch sagten sie ihre Namen.
wie sie gekommen sind,
mit der Wikinger Lanze, gingen sie wieder zurück.

Wenn sie sich auch so wie wir verhalten haben
und gelaufen sind,
ich glaube nicht, dass sie von diesem Planeten stammten.
Wo wir unsere Gesichter zeigten,
versteckten sie sich hinter Masken
und liefen in eine dunkle Welt hinein.
nach oben!


Gewohnheit

Es ist ein ewiger Kampf ohne Sieg.
Was von den Menschen als Liebe bezeichnet wird.
Auf jemanden zu warten und weinen,
alles ist nicht mehr
als ein Wunschbild ohne Sinn.

Dieses trifft auch auf die Ehe zu.
Das Haus der Familie ist eine kleine Front,
die Geschwister leben in ständiger Konfrontation,
der Vater spielt die Rolle des Generals,
die Mutter des Gefreiten
die Familie befindet ständig sich im Manöver.

Die so genannte Liebe,
nicht mehr als eine elastische Gewohnheit,
die Lust, die von der Haut empfunden wird,
ist bei jedem Geschöpf gleich.
Nicht mehr als der Schutz der Vergänglichkeit
die einen süchtig macht.
nach oben!


Gott gebe mir

Lieber Gott
ich suche Schutz bei dir.
Ich bin auf der suche nach etwas Geborgenheit,
möchte von hier irgendwohin gehen
aber ich kann nicht.

Mein Leben rutscht wie ein Boot auf die wilden Wellen,
um auszuruhen suche ich einen Hafen.
Doch find ich ihn nicht.
Lieber Gott,
gib mir ein Schiff
dass mich zu den Diamanteninseln trägt.

Lieber Gott,
jeden Abend singt die Einsamkeit in mir
um zu reden suche ich jemanden,
finde ihn aber nicht.
Um die Stille der Einsamkeit zu brechen,,
berühre ich meine Orgeltasten
aber ich kann nicht spielen.
Lieber Gott,
gib mir meine starken Finger wieder zurück.

Bei jedem Atemzug,
kommen die in meinen Sinn
die ich geliebt habe.
Am Ende des entbehrungsreichen Lebens,
singt eine Sehnsucht in mir.
Lieber Gott,
gebe mir alle meine Liebenden die ich verloren habe zurück?
nach oben!


Haben wir nicht gemerkt

Bis die Tage,
die Heiligkeit von unseren Fahnen nahm
haben wir sie nicht bemerkt,
sondern nur an den Zeremonien teilgenommen
und die Trompeten begleitet.

Keiner von uns
den Namen Gottes oft erwähnt.
Wozu man in die Tempel geht,
wozu man betet, Gutes tut,
wie man Essen, Trinken
und Brot untereinander teilt.
Hatten wir nicht gelernt,
bis wir die Grausamkeit erlebten.

Bis 1938 hatten wir auf
Nachbarschaft und Freundschaft keinen Wert gelegt.
Bis zu diesem Zeitpunkt
hatten wir kein Verlangen den Kummer zu teilen.
Da nach,
lernten wir von den Polen und Russen,
wie man mit Regenwasser wäscht
und sich mit dem Schnee schrubbt.

Kannibalen zu sein lernten wir in den Garnisonen.
Kartoffelschalen sammeln in den Mülltonnen,
aus den Höhlen Wasser zu trinken,
Sehnsucht nach einer heißen Suppe zu haben,
lernten wir in der sibiriensche Kälte.
nach oben!


In Hohen

Ich stehe an einem hohen Platz,
kämpfe mit dem Leben,
ein Schritt vor der Todesschlucht
wünsche ich mir,
dass du mich umarmst.

Wo ich stehen geblieben bin
mit einer samtenen Hand,
stößt mich ein wildes Gefühl
und an meiner letzten Haltestelle des Lebens,
umhüllt mich ein kalter Traum.

Als ich nach unten schaute,
habe ich an diejenigen gedacht,
die vor mir abgestützt sind.
Wie eine Leiche sah ich sie liegen,
schrecklicher als ich es mir hätte vorstellen können.

All das, wenn ich mich fallen lassen kann,
werde ich die Ketten allen Unwürdigen zerreißen.
Was hinter mir bleibt, was vor mir liegt,
die mein Leben vergiften.
Was es gab werde ich vergessen,
Und ihren Traum nie verwirklichen.
So wie die Alpinisten
werde ich meinen Namen den Bergereignissen eintragen.

nach oben!


Sie war anders

Sie sah wie wir,
aber sie war anders,
nur wenn es um Rechte, Gerechtigkeit
Menschlichkeit und Ehrlichkeit ging
sagte man zu ihr,
sie sei die Botschaft Gottes.

Jedoch,
weder hatte sie einen Engel bei sich,
mit dem sie Nachrichten schicken konnte
noch gab es Menschen,
bei denen sie sich durchsetzen konnte.
Sie wurde auf der Welt alleingelassen,
weil sie war anders
nach oben!


Verfolgung

Ich weiß es,
wenn die mich diesmal erwischen,
werden sie mich erschießen und dort begraben
wo ich gefallen bin.
Nur um mich wieder erinnern zu können,
werden sie über meinem Kopf,
einen Obelisk stellen.

Ich weiß nicht,
wie meine Chance diesmal weiter geht,
trotzdem versuche ich
diese Prüfung auch zu bestehen.
Wenn nicht,
um die Zitate die ich aus den Luftangriffen
für die Reihenhäuser neben an geschrieben hatte,
lesen zu lassen,
werde ich die Schlangen bitten
in meinem Grab eine Tür aufzumachen.
nach oben!


Wenn ich sterbe

Wenn ich sterbe,
begrabt mich nicht irgendwo,
es soll einen Platz für mich geben,
an dem ich nicht von Fabriklärm, Sirenen
Schüssen und Bomben wach werde.

So einen Platz soll es für mich geben,
dass ich meinen Kopf in meine Hände lege,
nicht mit Angst und Alpträumen wach zu werden,
die weinenden Kinderstimmen
und die Trauerlieder der Mütter
nicht mit ins Grab zu tragen.

So einen Platz soll es für mich geben,
dass ich auch dort nicht das Leid des Lebens,
die Angst der Zukunft, den Atem der Hungernden
auf meinem Rücken tragen
und von einem Land in das andere schleppen muss.

So einen Platz soll es für mich geben,
einsame Vögel sollen auf meinem Stein landen,
die Hasen und die Eidechsen
sollen in meiner Nähe Versteck spielen,
Schmetterlinge sollen über mein Grab fliegen,
an meinem Fenster soll der Himmel blau
und die Sonne gelb leuchten,
in der Prärie sollen fleißige Bienen
von wilden Blüten Honig sammeln.

So einen Platz soll es für mich geben,
ab und zu soll der Regen fallen,
er soll meiner überhitzten Seele
den inneren Frieden bringen,
eine riesige Schlange soll mich umringen
um meine Einsamkeit zu vertreiben.
nach oben!


Wir sind nicht allein

Weißt du schon,
die haben unsere Meinungen verboten.
Nirgendwo
können wir das, was wir denken
in ihre Gesichter sagen.
Ewig müssen wir
unsere Worte auf der Zunge verbergen
und die Wut in unseren Herzen
schweigen lassen.

Außer dem,
so wie alle Jahre kommen die Feiertage,
die in unseren kriegerischen Tagen geborene Bitterlichkeit,
wird gesammelt und in die Medien gebracht,
denn werden sie mit unseren blutigen Puls verbunden,
mit dem taubstummen Kompass,
so wie Neureiche,
werden sie zu einer Endlosigkeit gedreht.

Wenn wir versuchen die Vergangenheit zu vergessen,
mit ihren breiten Flügeln sie kommen auf uns zu.
Durch deren Lärm;
werden unsere Kameraden
die wir im Krieg verloren hatten wach,
sie rufen uns zu:
schweigt ihr nicht,
redet, schreit,
ihr seid nicht allein,
solange wir hier liegen...
nach oben!



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