Gedichte: Gedichte von Adolf Glaßbrenner

Insgesamt 4 Gedichte
Halte nicht zurück die Meinung!
In der Sternennacht
Unsere Freiheit
Zuruf


Halte nicht zurück die Meinung!

Halte nicht zurück die Meinung!
Aus dem Herzen in die Welt!
Lass getrost in die Erscheinung
Treten, was dir wohlgefällt.
Strafe kühn das Geistig-Hohle!

Mach dich zu der Wahrheit Hort!
Alles dient dem Staat zum Wohle,
Und bei uns heißt die Parole:
Licht und Luft dem freien Wort!


In der Sternennacht

Es glänzen golden die Welten, so viele Millionen!
Unnennbar die Zahl der Wesen, die auf den Sternen wohnen!
Kein menschlich Sinnen wagt es, das All zu überdenken,
Noch des Allmächt'gen Größe, der's schaffen konnt und lenken!
Und hier auf diesem Staubkorn, so jämmerlich, so klein!
Auf diesem Königsneste so viele Noth und Pein!!
Zertrümm're, Herr des Himmels, den einen kleinen Stern!
Dein Sohn konnt' ihn nicht retten! verdorben ist sein Kern.
Gib Deinen guten Engeln, Allmächtiger, ein Fest,
Und stürz' vom Bau der Schöpfung dies alte Königsnest!


Unsere Freiheit

Wir haben geopfert Gut und Blut;
Wir haben erkämpfet mit heißem Muth
Unsere Freiheit.
Wir haben befestigt der Fürsten Thron,
Und dafür ward uns gerechter Lohn:
Unsere Freiheit.

Doch als die Fürsten sie näher besahn,
Da war mit Flügeln sie angethan,
Unsere Freiheit.
Da bildeten sie unter sich einen Bund,
Und hielten gefesselt in ihrem Rund
Unsere Freiheit.

Sie haben in Gnaden nun vorgebeugt,
Daß nimmer wieder von uns entfleucht
Unsere Freiheit.
Sie haben nun mit wohlweisem Bedacht
Unter Schloß und unter Riegel gebracht
Unsere Freiheit.

Und wenn nun der Feind sich wieder erhebt,
Dann gilt es, daß jeder Unterthan strebt,
Der Schreckenden Feuer zu dämpfen,
Dann öffnet man milde das Bundeshaus;
Dann nehmen wir uns die Freiheit heraus - -
Für unsere Fürsten zu kämpfen.




Zuruf

Fliegt nun weiter, liebe Lieder!
Kleine Seelen meiner Seele!
Singt den hohen Sang der Freiheit
Ringsumher mit süßer Kehle!

Ach, ihr seid verbot'ne Lieder!
Euer Sang hat mächt'ge Tadler:
Gift'gen Blickes, scharfer Kralle
Harren eurer schon die Adler.

Sie, die in den Wolken thronen,
Deckten gern den Strahl der Sonne,
Daß in Blüthen und in Liedern
Nicht erwacht der Freiheit Wonne.

Doch, wie sie euch gier erfassen,
Was euch Gott durch mich gegeben
Werden sie euch nimmer rauben:
Eures Lebens höh'res Leben!

Denn vom höchsten Geist getrieben.
Folgt ihr auf aus meinem Herzen.
Seine ew'gen Reime singend:
Schmerz in Scherzen, Scherz in Schmerzen.

Darum singt den Sang der Freiheit!
Steckt ihr auch in Adlerskrallen,
Werden doch in Tausend Seelen
Eure Töne wiederhallen.