Gedichte: Gedichte von Friedrich Schiller

Insgesamt 2 Gedichte
Die Antike an einen Wanderer aus Norden
Hoffnung


Die Antike an einen Wanderer aus Norden

Über Ströme hast du gesetzt und Meere durchschwommen,
Über der Alpen Gebirg trug dich der schwindelnde Steg,
Mich in der Nähe zu schauen und meine Schönheit zu preisen,
Die der begeisterte Ruf rühmt durch die staunende Welt;
Und nun stehst du vor mir, du darfst mich Heil´ge berühren,
Aber bist du mir jetzt näher und bin ich es dir?
Hinter dir liegt zwar dein neblicher Pol und dein eiserner Himmel,
Deine arkturische Nacht flieht vor Ausoniens Tag,
Aber hast du die Alpenwand des Jahrhunderts gespalten,
Die zwischen dir und mir finster sich türmt?
Hast du von deinem Herzen gewälzt die Wolke des Nebels,
Die von dem wundersamen Aug wälzte der fröhliche Strahl?
Ewig umsonst umstrahlt dich in mir Ioniens Sone,
Den verdüsterten Sinn bildet der nordische Fluch.


Hoffnung

Es reden und träumen die Menschen viel
Von bessern und künftigen Tagen,
Nach einem glücklichen goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen.
Die Welt wird alt und wird wieder jung.
Doch der Mensch hofft immer Verbesserung.

Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
Den Jüngling locket ihr Zauberschein,
Sie wird mit dem Greis nicht begraben,
Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
Noch am Grabe pflanzt er - die Hoffnung auf.

Es ist kein leerer schmeichelnder Wahn,
Erzeugt im Gehirne des Toren,
Im Herzen kündet es laut sich an:
Zu was Besserm sind wir geboren!
Und was die innere Stimme spricht,
Das täuscht die hoffende Seele nicht.