Gedichte: Gedicht von Johann Christian Günther

Als er seine Liebe nicht sagen durfte


Als er seine Liebe nicht sagen durfte

Ich leugne nicht die starken Triebe
Und seufze nach der Gegenliebe
Der Schönheit, die mich angesteckt.
Der Traum entzückt mir das Gemüte,
So oft mir mein erregt Geblüte
Dein artig Bild auch blind entdeckt.

Allein die Erfurcht heißt mich schweigen.
Ein Sklave darf die Ketten zeigen
Und in der Not um Rettung schrein,
Nur ich muß diesem Trost enbehren
Und darf dem Jammer nicht erklären:
Das heißt ja zweifach elend sein.

Indessen darf der Mund nicht klagen,
So wird dir doch mein Auge sagen,
Wie tief mein Herz verwundet sei.
Erwäge nur Gestalt und Mienen,
Sie werden dir zum Zeugnis dienen:
Ich kann und mag nicht wieder frei.

Mich deucht, du nimmst es wohl zu Herzen.
Erhalt ich das in meinen Schmerzen,
Dass dir mein Feuer wohlgefällt,
So will ich heimlich gerne brennen
Und dir sonst nichts als dies bekennen:
Du seist die Schönheit dieser Welt.


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